Die Olsenbande steigt aufs Dach
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Die Olsenbande steigt aufs Dach (dänisch Olsen-banden går i krig) ist eine dänische Kriminalkomödie von Erik Balling aus dem Jahr 1978. Es ist der zehnte Film mit der Olsenbande. In Dänemark kam er am 6. Oktober 1978 in die Kinos. In der DDR lief er nicht im Kino, sondern erstmals am 28. Dezember 1981 im Fernsehen.
Handlung
Wegen des Geburtstags der Königin wird Egon früher aus der Haft entlassen. Das ärgert ihn, denn eine Woche später hätte ein Rechtsanwalt in seine Zelle verlegt werden sollen, von dem er sich Informationen für einen neuen Plan erhoffte. Um wieder ins Gefängnis zu kommen, sabotiert er absichtlich einen nach Egons Vorbild ausgearbeiteten Plan Bennys.
Egon kommt dann mit dem Plan aus dem Gefängnis, einen Mikrofilm aus der „Reichsregistratur“ zu stehlen, einem geheimen Informationsarchiv. Der Mikrofilm enthält den „Arealplan“ eines geheimen Projekts namens Daisyland, das ganz Dänemark in einen einzigen riesigen Ferienpark umgestalten will. Der Ingenieur Bang-Johansen, der sein Büro im Kopenhagener Rathaus hat, will den Arealplan schon vor dem offiziellen Beginn des Projekts an ausländische Investoren verkaufen, die durch den so genannten Schwarzen Baron vertreten werden. Egons Plan besteht darin, den Mikrofilm gegen ein hohes Lösegeld zurückzugeben.

Der Diebstahl des Films funktioniert mit den üblichen Ablenkungsmanövern tadellos, bei der Übergabe hat Egon jedoch stattdessen Kjelds privaten Urlaubsfilm dabei. Das Dumme Schwein, der Handlanger Bang-Johansens, und der Schwarze Baron stellen Egon ins Zifferblatt der Turmuhr des Rathauses, bis er entweder das Versteck des richtigen Films preisgibt oder vom großen Zeiger in die Tiefe gestoßen wird. Zufällig wird er dort von Kjeld und Benny entdeckt, die ihn retten: Sie hängen sich gemeinsam an den kleinen Zeiger, um den großen zurückzudrehen. Dabei gerät das Schlagwerk der Uhr so aus dem Tritt, dass das Dumme Schwein und der Schwarze Baron von den Gegengewichten k. o. geschlagen werden, und die Olsenbande kann entkommen.
Da Benny zuvor aus dem Tresor den Geldkoffer gestohlen hat, mit dem der Mikrofilm bezahlt werden sollte, ist der Coup eigentlich geglückt. Kurz vor der Wohnung wird Egon jedoch von der Polizei festgenommen, denn es steht noch ein Haftbefehl aus, den Jensen ausgestellt hatte, um einen Sündenbock zu haben. Als Egon im Präsidium eintrifft, ist Jensen gerade per Telefon unehrenhaft entlassen worden. Als Ermittlungsergebnis hatte er nur den Mikrofilm mit Kjelds Urlaubsbildern abliefern können. Er will nun nach Kanada auswandern, um dort zu angeln. Egon wird wieder auf freien Fuß gesetzt. In der Wohnung findet er in seinem Koffer jedoch nur Jensens Angelausrüstung, während Jensen bei seiner Abreise entdeckt, was für eine prall gefüllte Reisekasse er dabei hat.
Aus Wut darüber wirft Egon in Kopenhagen das Schaufenster eines Porzellanladens ein, um sich festnehmen zu lassen. Am Gefängnis wird er anlässlich seiner zehnten Verhaftung (und des zehnten Olsenbandenfilms) von einer Gefangenenband und dem Gefängnisdirektor persönlich begrüßt.
Als komödiantische Nebenhandlung wird Kjeld, den Yvonne auf Diät gesetzt hat, bei der Ausführung von Egons Plan immer wieder mit Essen konfrontiert. Ein markantes Beispiel ist sein verzweifelter Versuch, die verschweißte Flugzeugnahrung heimlich zu öffnen.
Entstehungsgeschichte
Die Grundidee, bei der eine Figur an einem Uhrzeiger hängt, stammt aus dem Stummfilm Safety Last (deutscher Titel: Ausgerechnet Wolkenkratzer!) mit Harold Lloyd aus dem Jahr 1923.
Für den Film wurde die Uhr des Kopenhagener Rathauses in vergrößerter Form auf dem Gelände der Nordisk Film A/S in Valby nachgebaut. Die Szenen wurden zum Teil an einem senkrecht stehenden, zum Teil an einem waagerecht liegenden Zifferblatt gefilmt.[1] Erik Balling und Henning Bahs wollten die Zeiger für diese Uhr bei einem Schmied in Valby anfertigen lassen. Es stellte sich heraus, dass dessen Großvater die Zeiger des Vorbildes am Kopenhagener Rathaus geschmiedet hatte und der Enkel noch die originalen Konstruktionszeichnungen besaß. Die originalgetreue Kopie war deshalb kein Problem.[2]
Besetzung
- Ove Sprogøe: Egon Olsen
- Morten Grunwald: Benny Frandsen
- Poul Bundgaard: Kjeld Jensen
- Kirsten Walther: Yvonne Jensen
- Bjørn Watt-Boolsen: Bang-Johansen
- Ove Verner Hansen: Dummes Schwein
- Edward Fleming: Schwarzer Baron
- Axel Strøbye: Kriminalkommissar Jensen
- Ole Ernst: Kriminalassistent Holm
- Ejner Federspiel: Wachmann
- Emil Hass Christensen: Gefängnisdirektor
- Bjørn Puggaard-Müller: Staatssekretär Könich aus der Reichsregistratur
- Birger Jensen: Beamter aus der Reichsregistratur
- Holger Perfort: Beamter aus der Reichsregistratur
- Holger Vistisen: Beamter aus der Reichsregistratur
- Karl Stegger: Chefkoch in der Reichsregistratur
- Claus Nissen: Mann am Bierautomat
- Kirsten Hansen-Møller: Kantinenfrau
- Hanne Løye: Frau Hansen
- Poul Thomsen: Putzkraft im Rathaus
- Kirsten Norholt: Stewardess
- Henning Palner: Pilot
- Ernst Meyer: Polizist
- Solveig Sundborg: Frau
- John Martinus: Mitarbeiter im Rathaus
- Jørgen Beck: Mitarbeiter im Rathaus
- Bertel Lauring: Taxifahrer
- Tom McEwan: Besitzer des Porzellanladens
Deutsche Synchronisation
Die Olsenbande steigt aufs Dach wurde wie alle Filme der Reihe von der DEFA synchronisiert. Er war jedoch einer von drei Olsenbandenfilmen, die in der DDR nicht im Kino, sondern nur im Fernsehen zu sehen waren. Egon, Benny und Kjeld wurden wie üblich von Karl Heinz Oppel, Peter Dommisch und Erhard Köster gesprochen, Yvonne zum einzigen Mal von Micaëla Kreißler. In einer Nebenrolle, als Staatssekretär Könich, ist Harald Halgardt zu hören. Die Synchronregie führte Hella Graf.
Mehrere Elemente des Films fielen in der DDR der Zensur zum Opfer:
- Der Titel, der wörtlich „Die Olsenbande zieht in den Krieg“ bedeutet, musste geändert werden, da die Verantwortlichen das Wort „Krieg“ als anstößig empfanden.
- 1982 wurde aus dem deutschen Vor- und Abspann die Auflistung der Synchronsprecher entfernt, da Micaëla Kreißler in die Bundesrepublik ging.
- Die von der Olsenbande erbeuteten zehn Millionen waren D-Mark. Auch das wurde aus den deutschen Dialogen komplett entfernt.
- Die Originalzeile „Die Reichsregistratur bewahrt sämtliche Informationen über Dänemark und die Dänen auf, sowohl gewöhnliche Informationen als auch geheime Informationen, die für die Polizei, die NATO, die EG und befreundete ausländische Mächte von Interesse sein könnten.“ durfte wegen der Nennung der NATO und der EG so nicht verwendet werden. Daraus wurde in der DEFA-Synchronisation „Hier werden sämtliche Informationen über Dänemark und die Dänen aufbewahrt, wichtige Informationen und völlig belanglose, allgemein zugängliche ebenso wie solche, die so geheim sind, dass niemand weiß, ob man überhaupt wissen darf, dass man das gar nicht wissen darf.“
Anmerkungen

- Die Reichsregistratur ist eine Erfindung der Drehbuchautoren. Das gezeigte Gebäude war in Wahrheit ein Krankenhaus in Herlev. Das Herlev Hospital wurde von 1965 bis 1975 gebaut und 1976 eröffnet. Es ist rund 120 Meter hoch und hat nach Angaben der englischen Wikipedia 25 Etagen. Lange war es das höchste Gebäude Dänemarks, seit 2022 ist das Lighthouse in Aarhus mit 142 Metern höher.
- Der im Film wichtige Plan, nach dem Dänemark in ein riesiges Feriengebiet umgewandelt werden soll, trägt den Namen „Operation Daisyland“. „Daisy“ war ein Spitzname der jungen Königin Margrethe II.
- Ove Sprogøes Sohn Henning arbeitete an diesem Film als Produktionsassistent mit und hat eine Komparsenrolle als Busfahrgast. Später wurde er selbst Schauspieler.
- Die Gefangenenband am Ende des Films war Papa Bue’s Viking Jazzband, die 1968 die erste Fassung der Olsenbanden-Titelmelodie aufnahm.[3]
- Die im Film gezeigte Rathausuhr war ein vergrößerter Nachbau. Die echte Uhr des Kopenhagener Rathauses ist wesentlich kleiner. Auch das komplexe mechanische Uhrwerk ist, wie deutlich zu sehen, ein reiner Studioaufbau.
- In der Szene vor dem Schloss Amalienborg, in der Benny dem deutschen Baron die Tasche abnimmt, spricht dieser ihn im dänischen Original in gebrochenem Deutsch an. Auch die Touristenführung findet natürlich auf Deutsch statt.
- Am 27. August 2008 veröffentlichte Post Danmark eine Briefmarke zu Ehren Erik Ballings, die neben einem Porträt des Regisseurs eine Szene mit Yvonne und Egon aus diesem Film zeigt.[4]
- Der Film wurde in Norwegen unter dem Titel Olsenbanden og Dynamitt-Harry mot nye høyder (Die Olsenbande und Dynamitt-Harry zu neuen Höhen) neu verfilmt, der Film erschien 1979. Er gehört zur norwegischen Reihe Olsenbande (Norwegen).[5]
Literatur
- Frank Eberlein, Frank-Burkhard Habel: Die Olsenbande. Das große Buch für Fans. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1996, erweiterte Neuausgabe 2000, ISBN 3-89602-056-0.
- Frank Eberlein: Das große Lexikon der Olsenbande. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-361-6.
- Hauke Lange-Fuchs: Ich habe einen Plaan! Die Olsen-Bande. Slapstick-Komik zwischen Klamauk und Subversion. Lübeck 1997, ISBN 3-924214-48-4.
Weblinks
- Olsen-banden går i krig in der Internet Movie Database (englisch)
- Ausführliche Filminformationen auf olsenbandenfanclub.de
- Olsenbande-Drehorte
Fußnoten
- ↑ Frank Eberlein: Das große Lexikon der Olsenbande, S. 325 bis 327.
- ↑ Morten Grunwald: Meine Tage in gelben Socken. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2014, ISBN 978-3-86265-374-4, S. 167.
- ↑ Morten Grunwald: Meine Tage in gelben Socken. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2014, ISBN 978-3-86265-374-4, S. 151 ff.
- ↑ Lua-Fehler: Der Prozess konnte nicht erstellt werden: proc_open(/dev/null): Failed to open stream: Operation not permitted
- ↑ Hauke Lange-Fuchs: Ich habe einen Plaan!, Nordische Filmtage, Lübeck 1997, ISBN 3-924214-48-4, S. 8 f. und S. 147 bis 149.
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