Dänemark: Unterschied zwischen den Versionen
→Geschichte
| Zeile 648: | Zeile 648: | ||
[[Datei:Grundlovgivende rigsforsamling - Constantin Hansen.jpg|mini|links|''Den Grundlovsgivende Rigsforsamling'' (Die Verfassungsgebende Versammlung am 23. Oktober 1848, Gemälde von [[Constantin Hansen]])]] | [[Datei:Grundlovgivende rigsforsamling - Constantin Hansen.jpg|mini|links|''Den Grundlovsgivende Rigsforsamling'' (Die Verfassungsgebende Versammlung am 23. Oktober 1848, Gemälde von [[Constantin Hansen]])]] | ||
Die Dänische Nationalbewegung und die Liberalen begannen in den 1830er Jahren an Macht zu gewinnen, und nach den [[ | Die Dänische Nationalbewegung und die Liberalen begannen in den 1830er Jahren an Macht zu gewinnen, und nach den [[w:de:Europäische Revolutionen 1848/1849|europäischen Revolutionen von 1848/49]] etablierte sich in Dänemark 1849 eine konstitutionelle Monarchie unter der Linie [[wp:Glücksburg (Ostsee)|Glücksburg]] des Hauses [[wp:Haus Oldenburg|Oldenburg]]: Es erhielt seine erste [[Grundgesetz Dänemarks|Verfassung]]. Eine wichtige Rolle spielte in dieser Zeit der bedeutende dänische Theologe, Pädagoge, Dichter und Politiker [[Nikolai Frederik Severin Grundtvig|N. F. S. Grundtvig]]. | ||
[[Datei:1864 erstuermung-der-dueppeler-schanzen-deutsch-daenischer-krieg.jpg|mini|Erstürmung der Düppeler Schanzen]] | [[Datei:1864 erstuermung-der-dueppeler-schanzen-deutsch-daenischer-krieg.jpg|mini|Erstürmung der Düppeler Schanzen]] | ||
Die Ideen der Französischen Revolution hatten auch in Dänemark den Nationalgedanken gestärkt und damit den Gegensatz zwischen Dänen und Deutschen, die um den Süden von Jütland in Form des Herzogtums [[ | Die Ideen der Französischen Revolution hatten auch in Dänemark den Nationalgedanken gestärkt und damit den Gegensatz zwischen Dänen und Deutschen, die um den Süden von Jütland in Form des Herzogtums [[w:de:Herzogtum Schleswig|Schleswig]] (auch [[Süderjütland]]) konkurrierten. Dänemark unterlag schließlich im [[Deutsch-Dänischer Krieg|Deutsch-Dänischen Krieg]] Preußen und Österreich. Schleswig und Holstein wurden 1871 Teil des Deutschen Reiches. Diese Niederlage bewirkte tiefe Einschnitte in die Entwicklung der nationalen Identität Dänemarks. Hieran erinnert heute noch die nationale Gedenkstätte bei den [[Düppeler Schanzen]], wo jedes Jahr am 18. April der Jahrestag der verlorenen Entscheidungsschlacht begangen wird. Die Außenpolitik der Nation nahm einen strikten [[Neutralität (Internationale Politik)|Neutralitätskurs]] ein, wobei der große deutsche Nachbar nicht provoziert werden sollte. Diese Politik wurde im Prinzip bis zum Ende des [[wp:Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] beibehalten. Das ging sehr weit. Bei einer wichtigen Abstimmung des Völkerbundsrates am 17. April 1935 gegen die deutsche Wiederbewaffnung enthielt sich Dänemark als einziger von 17 Staaten der Stimme.<ref>Karl-Georg Mix: ''Deutsche Flüchtlinge in Dänemark 1945–1949.'' Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08690-0, S. 17.</ref> | ||
Im [[ | Im [[w:de:Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] blieb das Land neutral. 1920 fiel nach einer Volksabstimmung im nördlichen und mittleren Schleswig (dän. auch [[Sønderjylland]]/Süderjütland) dessen nördlicher Teil – Nordschleswig – an Dänemark. Der mittlere und südliche Teil – Südschleswig – blieb bei Deutschland. Die so gezogene Linie bildet noch heute den Grenzverlauf.<br /> | ||
Obwohl sich Dänemark auch im Zweiten Weltkrieg neutral verhielt, wurde das Land am 9. April 1940 von Deutschland im Rahmen des Unternehmens Weserübung nahezu kampflos besetzt und blieb bis zum Ende des Weltkriegs unter [[Dänemark unter deutscher Besatzung|deutscher Kontrolle]]. Als „Sternstunde des dänischen Widerstandes“ gilt die Verhinderung des Holocausts an den dänischen Juden.<ref>Karl Christian Lammers: ''Dänemark: Widerstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit – der Mythos vom dänischen Volk im Freiheitskampf gegen die Deutschen.'' In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): ''Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933/39 bis 1945.'' Walter de Gruyter, Berlin/New York 2011, S. 71–84, hier: S. 79.</ref> Im Oktober 1943 kam es zu einer beispiellosen Tat, der [[Rettung der dänischen Juden]]. Allerdings traten etwa 6000 Dänen der [[Dänische SS-Einheiten|Waffen-SS]] bei und kämpften bis zum Kriegsende auf deutscher Seite. Etwa 25 % dieser dänischen Freiwilligen kamen aus den Reihen der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Am 4. Mai 1945 ergaben sich die deutschen Truppen in Dänemark Feldmarschall Montgomery.<ref>Claus Bundgård Christensen, Joachim Lund, Niels Wium Olese, Jakob Sørensen: ''Danmark besat – Krig og hverdag 1940–45.'' Informations Forlag, København 2009, ISBN 978-87-7514-239-2.</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg verhungerten in dänischen Internierungslagern mehrere zehntausend deutsche Flüchtlinge. Insgesamt starben mehr Deutsche durch Hunger in dänischen Lagern als Dänen insgesamt im Zweiten Weltkrieg. Es hatten sowohl der dänische Ärzteverband als auch das dänische Rote Kreuz jegliche Hilfe für Deutsche abgelehnt. So starben rund 80 % der nach Dänemark gelangten deutschen Kleinkinder.<ref>{{ | Obwohl sich Dänemark auch im Zweiten Weltkrieg neutral verhielt, wurde das Land am 9. April 1940 von Deutschland im Rahmen des Unternehmens Weserübung nahezu kampflos besetzt und blieb bis zum Ende des Weltkriegs unter [[Dänemark unter deutscher Besatzung|deutscher Kontrolle]]. Als „Sternstunde des dänischen Widerstandes“ gilt die Verhinderung des Holocausts an den dänischen Juden.<ref>Karl Christian Lammers: ''Dänemark: Widerstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit – der Mythos vom dänischen Volk im Freiheitskampf gegen die Deutschen.'' In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): ''Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933/39 bis 1945.'' Walter de Gruyter, Berlin/New York 2011, S. 71–84, hier: S. 79.</ref> Im Oktober 1943 kam es zu einer beispiellosen Tat, der [[Rettung der dänischen Juden]]. Allerdings traten etwa 6000 Dänen der [[Dänische SS-Einheiten|Waffen-SS]] bei und kämpften bis zum Kriegsende auf deutscher Seite. Etwa 25 % dieser dänischen Freiwilligen kamen aus den Reihen der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Am 4. Mai 1945 ergaben sich die deutschen Truppen in Dänemark Feldmarschall Montgomery.<ref>Claus Bundgård Christensen, Joachim Lund, Niels Wium Olese, Jakob Sørensen: ''Danmark besat – Krig og hverdag 1940–45.'' Informations Forlag, København 2009, ISBN 978-87-7514-239-2.</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg verhungerten in dänischen Internierungslagern mehrere zehntausend deutsche Flüchtlinge. Insgesamt starben mehr Deutsche durch Hunger in dänischen Lagern als Dänen insgesamt im Zweiten Weltkrieg. Es hatten sowohl der dänische Ärzteverband als auch das dänische Rote Kreuz jegliche Hilfe für Deutsche abgelehnt. So starben rund 80 % der nach Dänemark gelangten deutschen Kleinkinder.<ref>{{cite book | ||
|last1 = Ertel | |||
|first1 = Manfred | |||
|date = 2005-05-09 | |||
|title = DÄNEMARK: Stumme Steintafeln | |||
|series = Der Spiegel | |||
|volume = Band 19 | |||
|url = http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40325388.html | |||
|access-date = 2019-01-08 | |||
}}</ref> | |||
[[Datei:Paris 2006-02-11 anti-caricature protest bannieres dsc07543.jpg|mini|Öffentliche Proteste gegen die Karikaturen in Paris am 11. Februar 2006]] | [[Datei:Paris 2006-02-11 anti-caricature protest bannieres dsc07543.jpg|mini|Öffentliche Proteste gegen die Karikaturen in Paris am 11. Februar 2006]] | ||
Nach der Befreiung 1945 war Dänemark Mitbegründer der UNO, der NATO (1949), des Europarats (1949) sowie des [[Nordischer Rat|Nordischen Rates]] (1952). 1960 trat es der EFTA bei, aber nach einem Referendum am 2. Oktober 1972 wechselte Dänemark am 1. Januar 1973 zur EG.<ref>{{ | Nach der Befreiung 1945 war Dänemark Mitbegründer der UNO, der NATO (1949), des Europarats (1949) sowie des [[Nordischer Rat|Nordischen Rates]] (1952). 1960 trat es der EFTA bei, aber nach einem Referendum am 2. Oktober 1972 wechselte Dänemark am 1. Januar 1973 zur EG.<ref>{{cite web |url=http://www.eu-oplysningen.dk/spsv/off/alle/54/ |title=Hvordan kom Danmark med i EF? |author=<!--Not stated--> |date=2010-10-13 |website= |publisher=[[Folketing]]et |access-date=2014-04-09 |language=da |series=EU-Oplysningen }}</ref> Die Volksabstimmung über den [ertrag von Maastricht, der die EG zur EU umwandelte, brachte erst im zweiten Anlauf 1993 ein positives Votum, der Beitritt zur [[w:de:Europäische Wirtschafts- und Währungsunion|Eurozone]] scheiterte nach einer Abstimmung 2000. | ||
Internationales Aufsehen erregten die [[wp:Mohammed-Karikaturen|Mohammed-Karikaturen]], die die Zeitung [[Jyllands-Posten]] am {{FormatDate|2005-9-30}} abdruckte. Sie lösten vor allem in Staaten der islamischen Welt anti-dänische bzw. anti-westliche Proteste aus. | Internationales Aufsehen erregten die [[wp:Mohammed-Karikaturen|Mohammed-Karikaturen]], die die Zeitung [[Jyllands-Posten]] am {{FormatDate|2005-9-30}} abdruckte. Sie lösten vor allem in Staaten der islamischen Welt anti-dänische bzw. anti-westliche Proteste aus. | ||