Dänemark: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:European-union-gdp-diagram-de.svg|mini|Vergleich des Pro-Kopf-BIP in der EU nach Ländern mit Dänemark an fünfter Stelle (2004)]] | [[Datei:European-union-gdp-diagram-de.svg|mini|Vergleich des Pro-Kopf-BIP in der EU nach Ländern mit Dänemark an fünfter Stelle (2004)]] | ||
Dänemark wird von Reformern gerne als Beispiel für einen deregulierten Arbeitsmarkt angeführt, weil das Land über keinen mit der deutschen Regelung vergleichbaren Kündigungsschutz verfügt. Allerdings liegt der Anteil der öffentlich Beschäftigten mit ca. 28 % (800.000) (2006) aller Erwerbstätigen (ca. 2.800.000) etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Umgerechnet nach Vollzeitbeschäftigung steigt dieser öffentliche Anteil auf über 38 % von insgesamt über 2,3 Millionen Vollzeitbeschäftigten.<ref>Statistikbanken.dk Tabelle BESK11</ref> Unter dem Motto „[[Flexicurity]]“ werden liberale Beschäftigungsregelungen, hohe soziale Absicherung und eine aktive Arbeitsmarktpolitik miteinander kombiniert. Arbeitslose erhalten eine wesentlich höhere Arbeitslosenunterstützung als in Deutschland, wenn sie in die Kasse für Arbeitslose (''a-kasse'') einbezahlt haben und berechtigt sind, Arbeitslosenbezüge zu erhalten. So verlieren Personen, die sich länger als ein Jahr (der letzten 7 Jahre vor Antrag auf Arbeitslosengeld) außerhalb der EU aufgehalten haben, ihr Recht auf Arbeitslosengeld, unabhängig davon, ob sie in die Arbeitslosenkasse einbezahlt haben oder nicht.<ref>[https://danskeakasser.dk/opholdskrav-og-dagpenge danskeakasser.dk: Opholdskrav og dagpenge]</ref> Personen, die Anrecht auf Arbeitslosengeld haben werden umfassend für neue Stellen qualifiziert. | Dänemark wird von Reformern gerne als Beispiel für einen deregulierten Arbeitsmarkt angeführt, weil das Land über keinen mit der deutschen Regelung vergleichbaren Kündigungsschutz verfügt. Allerdings liegt der Anteil der öffentlich Beschäftigten mit ca. 28 % (800.000) (2006) aller Erwerbstätigen (ca. 2.800.000) etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Umgerechnet nach Vollzeitbeschäftigung steigt dieser öffentliche Anteil auf über 38 % von insgesamt über 2,3 Millionen Vollzeitbeschäftigten.<ref>Statistikbanken.dk Tabelle BESK11</ref> Unter dem Motto „[[w:de:Flexicurity|Flexicurity]]“ werden liberale Beschäftigungsregelungen, hohe soziale Absicherung und eine aktive Arbeitsmarktpolitik miteinander kombiniert. Arbeitslose erhalten eine wesentlich höhere Arbeitslosenunterstützung als in Deutschland, wenn sie in die Kasse für Arbeitslose (''a-kasse'') einbezahlt haben und berechtigt sind, Arbeitslosenbezüge zu erhalten. So verlieren Personen, die sich länger als ein Jahr (der letzten 7 Jahre vor Antrag auf Arbeitslosengeld) außerhalb der EU aufgehalten haben, ihr Recht auf Arbeitslosengeld, unabhängig davon, ob sie in die Arbeitslosenkasse einbezahlt haben oder nicht.<ref>[https://danskeakasser.dk/opholdskrav-og-dagpenge danskeakasser.dk: Opholdskrav og dagpenge]</ref> Personen, die Anrecht auf Arbeitslosengeld haben werden umfassend für neue Stellen qualifiziert. | ||
Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist extrem hoch (68 % im Jahr 2015).<ref>Anders Kjellberg und Christian Lyhne Ibsen (2016) [https://lup.lub.lu.se/search/ws/files/21682547/Kjellberg_og_Ibsen_2016_ur_Due_og_Madsen.pdf ''Attacks on union organizing: Reversible and irreversible changes to the Ghent-systems in Sweden and Denmark''], i Trine Pernille Larsen und Anna Ilsøe (eds.)(2016) ''Den Danske Model set udefra – komparative perspektiver på dansk arbejdsmarkedsregulering'', Copenhagen: Jurist- og Økonomforbundets Forlag, S. 292</ref> Tarifverhandlungen finden zentralisiert zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften statt. Zwar besitzt Dänemark keinen gesetzlich festgelegten Mindestlohn, aber Mindestentgelte werden in der Regel durch Tarifverträge normiert und von den Betrieben eingehalten. Die Gewerkschaften haben das Recht, zum Boykott gegen Arbeitgeber aufzurufen, die sich nicht an die Tarifregelungen halten. Obwohl das dänische System den Arbeitgebern hohe Zugeständnisse abverlangt, wird es im Allgemeinen von allen Beteiligten akzeptiert, weil es sich in den vergangenen 100 Jahren als sehr erfolgreich erwiesen hat. | Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist extrem hoch (68 % im Jahr 2015).<ref>Anders Kjellberg und Christian Lyhne Ibsen (2016) [https://lup.lub.lu.se/search/ws/files/21682547/Kjellberg_og_Ibsen_2016_ur_Due_og_Madsen.pdf ''Attacks on union organizing: Reversible and irreversible changes to the Ghent-systems in Sweden and Denmark''], i Trine Pernille Larsen und Anna Ilsøe (eds.)(2016) ''Den Danske Model set udefra – komparative perspektiver på dansk arbejdsmarkedsregulering'', Copenhagen: Jurist- og Økonomforbundets Forlag, S. 292</ref> Tarifverhandlungen finden zentralisiert zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften statt. Zwar besitzt Dänemark keinen gesetzlich festgelegten Mindestlohn, aber Mindestentgelte werden in der Regel durch Tarifverträge normiert und von den Betrieben eingehalten. Die Gewerkschaften haben das Recht, zum Boykott gegen Arbeitgeber aufzurufen, die sich nicht an die Tarifregelungen halten. Obwohl das dänische System den Arbeitgebern hohe Zugeständnisse abverlangt, wird es im Allgemeinen von allen Beteiligten akzeptiert, weil es sich in den vergangenen 100 Jahren als sehr erfolgreich erwiesen hat. | ||
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|url = http://reports.weforum.org/global-competitiveness-index-2017-2018/at-a-glance-global-competitiveness-index-2017-2018-rankings/ | |url = http://reports.weforum.org/global-competitiveness-index-2017-2018/at-a-glance-global-competitiveness-index-2017-2018-rankings/ | ||
|access-date = 2017-12-06 | |access-date = 2017-12-06 | ||
}}</ref> Im [[ | }}</ref> Im [[w:de:Index für wirtschaftliche Freiheit|Index für wirtschaftliche Freiheit]] belegt das Land 2017 Platz 18 von 180 Ländern.<ref>[http://www.heritage.org/index/ranking heritage.org]</ref> | ||
Nach Jahren des hohen Wirtschaftswachstums hatte sich auch die dänische Wirtschaft in Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in einer Rezession befunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Jahr 2009 um 5,9 Prozent und 2010 erneut um 1,7 Prozent. Im Zeitraum 2011 bis 2014 stieg das BIP wieder leicht an. Im Jahr 2015 wuchs die dänische Wirtschaft um 1,1 Prozent.<ref>[http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Daenemark/Wirtschaft_node.html Auswärtiges Amt- Dänemark- Wirtschaft], zuletzt gesehen am 6. Januar 2017</ref> | Nach Jahren des hohen Wirtschaftswachstums hatte sich auch die dänische Wirtschaft in Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in einer Rezession befunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Jahr 2009 um 5,9 Prozent und 2010 erneut um 1,7 Prozent. Im Zeitraum 2011 bis 2014 stieg das BIP wieder leicht an. Im Jahr 2015 wuchs die dänische Wirtschaft um 1,1 Prozent.<ref>[http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Daenemark/Wirtschaft_node.html Auswärtiges Amt- Dänemark- Wirtschaft], zuletzt gesehen am 6. Januar 2017</ref> | ||